Group Buying – Lohnt sich der neue Trend für kleine Unternehmen?

17. Juni 2010 in Social Commerce 6 Kommentare

Dieser Tage hört bzw. liest man in den Weiten des World Wide Web immer häufiger den Begriff Group Buying als eine Art des Social Commerce. Dahinter verbirgt sich ein eigentlich ganz simpler und gar nicht so neuer Vorgang bei dem sich mehrere Leute zusammen tun, um gemeinsam ein Produkt oder eine Dienstleistung zu kaufen um dadurch einen Mengenrabatt zu erhalten.

Vor allem in den USA haben sich gleich mehrere Online-Dienste zu diesem Thema etablieren können, wie zum Beispiel LivingSocial oder Tippr.

Der in Deutschland wohl bekannteste Group Buying-Dienst ist das deutsche Start-Up City Deal, welches kürzlich von seinem amerikanischen Vorbild GroupOn übernommen wurde. Aber auch DailyDeal ist in den letzten Tagen vor allem durch seine TV-Spots auf diversen Sendern, bekannt geworden.

Das Prinzip ist schnell erklärt:

Nach der Registrierung bekommt der Nutzer jeden Tag eine Email mit dem Hinweis auf einen neuen Rabatt in seiner Stadt zugeschickt. Die meisten dieser sogenannten Deals sind an eine Mindestanzahl von Käufern gebunden. Ein Deal kommt also erst zustande, wenn bis zum Ablauf der Aktion (meist innerhalb von 24 Stunden) die vom Anbieter festgelegte Mindestanzahl von Gutscheinen “bestellt” wurden. Wird diese Grenze nicht erreicht, findet der Deal nicht statt und es entstehen keine Kosten – weder beim Käufer noch beim Anbieter. Frei nach dem Motto:
“Alles oder nichts!”

Unternehme zahlen bei einem erfolgreichen Deal eine Provision von 30% des Gutscheinpreises an GroupOn. Die Provisonen von DailyDeal sind mir bisher nicht bekannt, dürften sich aber in einem ähnlichen Rahmen bewegen.

Werden keine Gutscheine verkauft, entstehen auch keine Kosten. Da der Vermittler demnach ein großes Interesse daran hat, dass möglichst viele Gutscheine verkauft werden, müssen Unternehmen in der Regel einen Mindestrabatt von 50% gegenüber dem üblichen Produktpreis gewähren.

Mittlerweile gibt es die Möglichkeit Deals auch ohne Beschränkungen anzubieten, weil sich vor allem in kleineren Städten und bei Angeboten mit kleiner Zielgruppe, häufig wenig Käufer finden.

Wie viele Gutscheine in Ihrer Stadt bisher verkauft wurden, können Sie bei GroupOn und DailyDeal unter “Verpasste Deals” auf der jeweiligen Webseite erkennen.

Für welche Branchen lohnt sich diese Art des Marketings ?

Gastronomen können so beispielsweise neue Gäste in ihr Lokal locken und diese durch guten Service und gute Qualität zu Stammgästen machen. Dank hoher Margen bei Speisen und vor allem bei Getränken, lassen sich hier auch hohe, kurzfristige Preisnachlässe gut verkraften. Da überrascht es wenig, dass vor allem Bars und Restaurants zu den regelmäßigen Deal-Anbieten gehören.

Einen besonders kreativen Deal haben sich benachbarte Gastronomen im New Yorker Stadtteil Manhattan ausgedacht. Insgesamt haben sich fünf Lokale zusammengetan und einen Coupon mit einer Variation aus Speisen jedes Restaurants zusammengestellt. Für 18 Dollar konnten die Kunden in jedem der Restaurants ein bestimmtes Gericht bestellen. Insgesamt hatte der Gutschein einen Gegenwert von 35 Dollar. Die Aktion hatte zur Folge, dass jedes der teilnehmenden Lokale neue Gäste für sich gewinnen konnte von denen viele zu Stammgästen wurden. Dieses Beispiel zeigt, dass auch scheinbar konkurrierende Unternehmen gemeinsame Marketingmaßnahmen durchführen können von denen alle profitieren.

Solche Aktionen können natürlich auch für andere Branchen interessant sein.

So könnten sich zum Beispiel Fitnessstudios, Sonnenstudios und Massagesalons zusammenschließen und einen Wellness Coupon anbieten.

Auch im Einzelhandel- oder Dienstleistungsbereich gibt es Möglichkeiten der Kooperation. Ein Shopping/Styling Coupon bestehend aus Modegeschäften, Friseursalons und persönlicher Typberatung. In Kombination können so auch Nieschenanbieter mit kleinen Zielgruppen von Coupon-Aktionen profitieren.

Kombinationsmöglichkeiten gibt es fast in jeder Branche. Schauen Sie sich Ihre Zielgruppe einfach mal genauer an und überlegen Sie, welche Angebote zu Ihren Kunden passen könnten.

Fazit:

Group Buying ist meiner Meinung nach eine gute Möglichkeit für Unternehmen, neue Kunden auf das eigene Geschäft aufmerksam zu machen. Vor allem in Metropolen wie Berlin und Hamburg werden bereits täglich tausende von Coupons verkauft. In kleineren Städten fallen die Verkaufszahlen zwar noch wesentlich geringer aus, allerdings ist auch hier eine steigende Tendenz der Verkäufe zu erkennen. Ob sich ein Engagement lohnt, muss letztendlich jeder Unternehmer für sich selbst entscheiden. Bei dieser Überlegung sollten Sie jedoch auch mal an bisherige Marketingaktionen (zB die letzte Flyeraktion oder die Anzeige in der Regionalzeitung) denken und wie hoch dort der Return of Investment war.

Bei der Auswahl des Anbieters sind Oberflächlich betrachtet keine großen Unterschiede zu erkennen. Im Gegenteil. Es wird spannend sein zu beobachten, welcher der beiden Services sich auf Dauer durchsetzen wird oder ob sich beide dauerhaft etablieren können. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Wettbewerb zwischen GroupOn und DailyDeal auch einen Preiskampf mit sich ziehen von dem dann wiederum der Anbieter profitieren dürfte.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Welche Kooperationsmöglichkeiten fallen Ihnen ein und welchen Coupon würden Sie selber gerne kaufen?

Autor: Alex Wagner

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5 Kommentare

  • Lisa
    17. Juni 2010

    Ich hatte schon von diesen Gutscheinseiten gehört, hat mich aber nicht besonders interessiert. Vielleicht auch, weil mir das Prinzip dahinter nicht ganz klar war. Aber dass die Aktionen nur durchgeführt werden, wenn sich genügend Teilnehmer finden macht das ganze doch interessant. Werde mich mit dem Thema noch mehr auseinandersetzen. Ist vielleicht doch eine gute Möglichkeit für den Vertrieb.

  • Alex Wagner
    17. Juni 2010

    Hallo Lisa!

    Falls Sie sich dafür entscheiden, lassen Sie uns doch wissen was aus ihrer Aktion geworden ist bzw. wie ihre Erfahrungen waren. VG

  • Alex Wiedl
    22. Juni 2010

    Die Frage die sich ableiten lässt ist:

    Wenn JEDER diesen Rabatt haben kann, liegt dann der eigentliche Preis nicht bei UVP-Rabatt?

    Was ich damit ausdrücken möchte: Ich denke nicht, dass die Unternehmen ihre Marge reduzieren. Bei der ursprünglichen Preisgestaltung werden diese Rabatte bereits hinzugerechnet, und anschließend mit den Marketingausgaben wieder verrechnet.
    Sollte ein Unternehmen sich entscheiden keine neuen Gutscheine zu verteilen, weil bspw. der Bekanntheitsgrad bereits sehr hoch ist, oder die Markentreue sehr hoch ist, werden die Rabatte eingeschränkt und bieten Mehreinnahmen. Vorrausgesetzt der Konkurrenzdruck ist in der Zwischenzeit nicht überproportional gewachsen.

  • Florian Boersch
    23. Juni 2010

    @Alex Wiedl

    Eine UVP ist ja nur eine vom Hersteller angegebene UVP für den Handel – sie dient als Anhaltspunkt für den Verbraucher. Es macht den Anschein, dass gerade UVP von Herstellern hoch sind, um den psychologischen Effekt einer höheren Rabattgewährung der Händler auszunutzen. Da die Händler sowieso EK-Preise bezahlen und sich nicht an die UVP-Vorgaben halten müssen, gewähren die Händler schon “Pseudo-Rabatte”. Die Margen sind dennoch hoch genug.

    Per Definition sind Rabattierungen ja Verkaufsförderungsmaßnahmen für einen befristeten Zeitraum. Da es sich bei den Anbietern auf CityDeal bisher noch nicht überwiegend um große Hersteller handelt lässt sich auch nicht pauschal sagen, dass der “eigentliche Preis = UVP – Rabatt” ist.

    Mit jedem verkauften Produkt mit einer hohen Marge, liegt es nahe auch höhere Rabatte zu gewähren. Verkaufe ich z.B. 50 Stck. eines Produkts zum vollen Preis und werde weitere 50 Stck. die ich auf Lager habe nicht los, so setze ich evtl. eine Rabattierung von 50% an. Werden diese weiteren 50 Stck. auch abverkauft so habe ich eine durchschnittliche Rabattierung von 25%, welche schon vorab in der Marge kalkuliert wird.

    Ich gebe Ihnen also Recht. Wenn man sich die Strategien der 0%-Finanzierung z.B. von Media Markt anschaut, so ist der Zinsverzicht für MM der eigentliche Rabatt für den Kunden, der im Preis enthalten ist.

    Beste Grüße

  • Peter Haller
    23. Juni 2010

    Das ist eigentlich ein alter Hut, vielleicht erinnern sich noch ein paar der Leser hier im Blog an die Ameisen von letsbuyit.com ??

    Selbes Prinzip – Menschen schließen sich zusammen und kaufen gemeinsam ein.

    Die Seite wurde vor nicht allzulanger Zeit von den Franzosen relaunched und versucht an alte Erfolge anzuknüpfen, das damalige Lineup ging den Bach hinunter. Man darf gespannt sein, ob das Modell wieder zu altem Glanz gelangt.

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